Was ist Gestalttheraphie


Grundlagen der Gestalttherapie

Gestalttherapie ist eine psychotherapeutische Methode, die von dem Psychiater Fritz Perls, der Psychologin Laura Perls und dem Erziehungswissenschaftler und Sozialphilosophen Paul Goodman entwickelt wurde. Ursprünglich von den Perls, die beide Psychoanalytiker waren, als Revision und Weiterentwicklung der Psychoanalyse konzipiert, entwickelte sich Gestalttherapie allmählich als eigenständige Schule der Psychotherapie. Neben der Psychoanalyse als Ausgangsbasis waren für die Entstehung der Gestalltherapie acht weitere Einflüsse wirksam:
Reichianische Charakteranalyse, Gestaltpsychologie, Existenzphilosophie, Phänomenologie, Holismus, Goodman'sche Sozialkritik, Humanistische Psychologie und Zen-Buddhismus. Gestalttherapie stellt somit eine Integration sowohl medizinisch-biologischer als auch psychologischer, pädagogischer, soziologischer, philosophischer und spiritueller Konzepte dar, wobei für die Gestalttherapie ebenso das Gestaltgrundgesetz gilt: "Das Ganze ist mehr bzw. anders als die Summe seiner Teile."


Menschenbild der Gestalttherapie

Gestalttherapie geht von einem ganzheitlichen holistischen Konzept der menschlichen Natur aus, in dem Körper, Geist und Psyche eine zusammenhängende Einheit darstellen. Ebenso wird die Natur, das Universum als zusammenhängendes Ganzes verstanden, in dem alle Elemente sich in einem sich ständig verändernden Prozeß von Austausch und koordinierter Aktivität befinden, Leben wird als eine Folge von immer wieder neu auftauchenden Gestalten begriffen, die danach drängen, geschlossen zu werden. Weiterhin wird davon ausgegangen, daß alle Lebewesen von einer organismischen Selbstregulierung gesteuert sind, die bei den in der Psychotherapie Hilfesuchenden gestört ist. Eine adäquate Selbstregulierung ist nur durch den Kontakt des Organismus mit seinem Umfeld möglich. Daher sind psychische Störungen immer auch Störungen im Kontaktprozeß von Organismus und Umwelt. Hierbei ist auch die These von Bedeutung, daß der Mensch sich nicht an eine fest vorgegebene Realität anpassen muß, sondern sie im Kontaktprozeß mittels kreativer Anpassung verändern kann.


Ziele der Gestalttherapie

Ziel der Gestalttherapie ist es, die abgespaltenen nicht bewußten Teile der Persönlichkeit zu integrieren, die Kontaktgrenzstörungen zur Umwelt und die Blockaden im Erleben, Wahrnehmen und Handeln erfahrbar zu machen und der Bewußtheit wieder zuzuführen sowie die Selbstheilungspotentiale des Menschen zu reaktivieren und die organismische Selbstregulation und somit die Fähigkeit, für sein Leben Verantwortung zu übernehmen, wiederherzustellen.


Anwendungsbereiche der Gestalttherapie

Gestalftherapie weist ein weitreichendes Anwendungsfeld auf: sie läßt sich sowohl als Einzeltherapie als auch in der Arbeit mit Gruppen und Familien durchführen; mit Menschen jeglichen Alters; bei Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, psychosomatischen Störungen, Eßstörungen, Drogenabhängigkeit und bedingt bei Psychosen, in der psychotherapeutischen wie auch in der pädagogischen und beratenden Arbeit, in Prävention, Restititution und Rehabilitation, in Organisationsberatung und im Supervisionsbereich. Gestalttherapie hat sich als psychotherapeutische Methode in den letzten 25 Jahren in Deutschland in nahezu allen therapeutisch relevanten Bereichen als wirksam gezeigt und in der Weiterbildung aller psychosozialer Berufe bewährt.


Therapeutisches Vorgehen in der Gestalttherapie

Die Grundlage der therapeutischen Beziehung bildet das "Dialogische Prinzip" im Buberschen Sinne, das sowohl Weg und Ziel zugleich ist. Es kennzeichnet eine partnerschaftliche Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt, Anerkennung und Achtung von Unterschieden beruht. Die dialogische Beziehung macht es möglich, daß ein/e Gestalttherapeut/in sowohl stützend, ich-aufbauend und stabilisierend als auch konfrontativ und konfliktorientiert vorgehen kann. Da sich der Zugang zu den Ursachen von Störungen leichter durch das "Wie" und "Was" des aktuellen Verhaltens und Erlebens als durch das "Warum" eröffnen läßt, steht das "Hier und Jetzt" im Zentrum des therapeutischen Geschehens. Obgleich die Gestalttherapie eine reiche Methodenvielfalt (z.b. Arbeit mit kreativen Medien, Rollenspiele, Imaginationsverfahren, Wahrnehmungsübungen, körperorientiertes Vorgehen ect.) aufweist, sind Techniken nur nachgeordnete Hilfsmittel, die den Prozeß der Klienten fördern, jedoch nicht steuern sollen.